Kinder im Fokus: Der Kinderperspektivenansatz

Teil 1: Was ist der Kinderperspektivenansatz?

28.05.2026

Burgenlandkreis

Jana Lechtermann-Meißner

Aktuell entwickeln die Zukunftseinrichtungen des Reallabors Burgenlandkreis ihre eigenen Visionen. Um sie dabei zu unterstützen, die Perspektive der Kinder systematisch zu berücksichtigen, stellten wir ihnen am 21. Mai 2026 im Rahmen eines Online-Impulses den Kinderperspektivenansatz vor.

Dieser wissenschaftlich fundierte Ansatz wurde von einem Expert:innenteam um Prof. Iris Nenwig-Gesemann und Bastian Walther entwickelt und erprobt. Er bietet konkrete Erhebungs- und Auswertungsmethoden, um die Sichtweisen von Kindern in Kitas, Horten und Grundschulen strukturiert einzubeziehen. Ziel des Kinderperspektivenansatzes ist es, die Lebenswelt und die Erfahrungen von Kindern zum Ausgangspunkt pädagogischen Handelns zu machen und ihre Rechte auf Beteiligung und Mitbestimmung zu stärken.

Die Kernelemente des Kinderperspektivenansatzes

Der Kinderperspektivenansatz zielt darauf ab, die Perspektive der Kinder in pädagogischen Prozessen systematisch zu berücksichtigen. Er basiert auf fünf Kernelementen:

  1. Pädagogische Haltung als Fundament
    Der Ansatz setzt eine kinderrechtlich und interaktionsethisch fundierte pädagogische Haltung voraus. Partizipative Arbeit mit Kindern erfordert, dass Fachkräfte dialogorientiert handeln. Ohne diese Haltung ist der Ansatz weder denkbar noch umsetzbar.
  1. Forschungsansatz mit Praxisbezug
    Der Kinderperspektivenansatz verbindet Grundlagen- und Praxisforschung. Gleichzeitig ist er ein Ansatz, der eine Pädagogik von den Kindern aus begründet. Dabei sind das einzelne Kind und die Gruppe mit ihren Bedürfnissen Ausgangspunkt der Arbeit.
  1. Methodische Werkzeugkiste
    Um die Perspektiven der Kinder besser zu verstehen und sichtbar zu machen, bietet der Kinderperspektivenansatz einen breit gefächerten Methodenschatz an. Dieser ermöglichen ein strukturiertes Erheben, Analysieren sowie Dokumentierender Perspektiven – und damit ein pädagogisches Handeln, das sich an den Erkenntnissen orientiert.
  1. Qualitätsentwicklung durch Partizipation
    Die Rekonstruktion von Kinderperspektiven ist kein Selbstzweck, sondern Ausgangspunkt für Veränderungen in der pädagogischen Praxis. So leistet der Ansatz einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in Bildungseinrichtungen.
  1. Professionalisierung von Fachkräften
    Der Ansatz stärkt Fachkräfte darin, selbstwirksam und handlungsfähig zu sein. Sie sollen nicht nur Vorgaben umsetzen, sondern von den Kindern aus arbeiten – also deren Perspektiven und Rechte aktiv einbeziehen.


Kinder sollen mitreden, mitarbeiten, mitbestimmen und gemeinsam mit Fachkräften Ideen entwickeln, Standpunkte formulieren und Kompromisse aushandeln. Es geht nicht darum, für die Kinder zu gestalten, sondern mit ihnen. So werden Kita, Hort und Grundschule zu Orten der Identifikation und gemeinsamen Verantwortung.

Wie Bastian Walther beim Online-Impuls am 21. Mai erläuterte: „Wenn ich einen Raum nicht mitbestimmen kann, wird er nicht zu meinem Raum. Wenn meine Ordnung nicht zählt, mache ich Unordnung. Wenn ich Regeln nicht verstehe oder mich nur unter Strafandrohung darauf einlasse, tue ich alles, um sie zu unterlaufen.“

Der Ansatz fördert daher eine Haltung, die Kinder neugierig und mit Forscherdrang begegnet und Fachkräfte ermutigt, Anwält:innen für die Perspektive und Rechte der Kinder zu sein.

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