Kinder im Fokus: Der Kinderperspektivenansatz

Teil 2: Die Methoden des Kinderperspektivenansatzes

04.06.2026

Burgenlandkreis

Jana Lechtermann-Meißner

Im Rahmen des Online-Impulses am 21. Mai 2026 lernten die Teilnehmenden des Reallabors Burgenlandkreis die vielfältigen Methoden des Kinderperspektivenansatzes kennen. Dabei wurde deutlich, dass Kinder ihre Perspektiven auf sehr unterschiedliche Weise ausdrücken. Um diesen unterschiedlichen Ausdrucksformen gerecht zu werden, stellt der Ansatz einen breit gefächerten Methodenschatz bereit.

Der Methoden gliedern sich in

  • sieben Qualitätsbereiche mit 23 Qualitätsdimensionen (z. B. Selbsterkundung und Identitätsentwicklung, Peerkultur und Freundschaft)
  • zwölf Erhebungsmethoden (z. B. Gruppendiskussion, Kinder malen ihre KiTa) sowie
  • Dokumentationsformen (z. B. digitale Präsentation, Wandzeitung)

Gerade dieVielfalt der Erhebungsmethoden ermöglicht es, die Sichtweisen aller Kinder systematisch zu erfassen und sie unabhängig von Alter, Sprachvermögen oder individuellen Voraussetzungen aktiv zu beteiligen.

Die zwölf Erhebungsmethoden des Kinderperspektivenansatzes

Der Kinderperspektivenansatz stellt insgesamt zwölf Erhebungsmethoden bereit, mit denen Kinder ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Sichtweisen auf unterschiedliche Weise einbringen können. Die Methoden kombinieren sprachliche, kreative, visuelle und beobachtende Zugänge, sodass möglichst alle Kinder – unabhängig von Alter, Sprachvermögen oder individuellen Voraussetzungen – beteiligt werden können. 

  1. Kinder fotografieren ihre KiTa
    Kinder dokumentieren selbstständig mit einer Kamera, was ihnen in ihrer Einrichtung gefällt oder missfällt. Die entstandenen Fotos werden anschließend gemeinsam besprochen und ausgewertet.
  2. foto-/videobasierte KiTa-Führung
    Kinder führen Erwachsene durch ihre Einrichtung und zeigen die Orte, die ihnen besonders wichtig sind. Dabei erläutern sie ihre Erfahrungen und Aktivitäten direkt vor Ort.
  3. Sozialraumerkundung
    Kinder führen Erwachsene nicht durch die Einrichtung, sondern durch deren Umfeld. Sie zeigen Orte in ihrem Sozialraum, die für sie eine besondere Bedeutung haben.
  4. Verbesserungsspaziergang
    Bei dieser Form der Führung liegt der Fokus auf Veränderungswünschen. Kinder zeigen, was verbessert werden könnte, und bringen konkrete Ideen zur Weiterentwicklung ihrer Einrichtung ein.
  5. Beschwerdemauer
    Kinder sammeln und dokumentieren Themen, die sie stören oder die sie verändern möchten. Dadurch werden ihre Kritikpunkte und Bedürfnisse sichtbar.
  6. „Ein ganz verrückter, schöner Tag“
    Kinder entwickeln Ideen für einen idealen Tag in ihrer Einrichtung. Die Methode macht Wünsche, Bedürfnisse und positive Zukunftsvorstellungen der Kinder sichtbar.
  7. Teilnehmende Beobachtung
    Fachkräfte oder Forschende beobachten Kinder in ihrem Alltag und gewinnen so Einblicke in ihre Handlungsweisen, Interessen und sozialen Beziehungen.
  8. Videobasierte Beobachtung
    Mithilfe von Videoaufnahmen werden Alltagssituationen dokumentiert und später analysiert. So können auch nonverbale Ausdrucksformen und Interaktionen berücksichtigt werden.
  9. Gruppendiskussion
    Kinder tauschen sich in kleinen Gruppen über Themen aus, die für sie wichtig sind. Dabei können sie ihre Erfahrungen, Meinungen und Erlebnisse in ihrer eigenen Sprache und auf ihre eigene Weise einbringen.
  10. Bilderbuchbetrachtung‍
    Bilderbücher dienen als Gesprächsanlass, um mit Kindern über Gefühle, Wohlbefinden und Erlebnisse in der Kita, im Hort oder in der Schule ins Gespräch zu kommen.
  11. Kinder malen ihre KiTa
    Kinder halten ihre Eindrücke, Lieblingsorte oder Wünsche zeichnerisch fest. Die Bilder bieten anschließend einen Ausgangspunkt für Gespräche über ihren Alltag.
  12. Paar-Mal-Interview
    Zwei Kinder malen gemeinsam und tauschen sich währenddessen über ihre Erfahrungen und Sichtweisen aus. Die Methode verbindet kreatives Arbeiten mit dialogischen Gesprächen.

Vertiefung: Foto- und videobasierte Führung

Beim Online-Impuls am 21. Mai 2026 erläuterte Bastian Walther beispielhaft die foto- und videobasierten Führungen. Dabei zeigen Kinder ihre Einrichtung und erklären, was ihnen wichtig ist.Entscheidend sei, so Walther, dass Kinder ermutigt werden, genau die Orte und Dinge zu zeigen, die für sie bedeutsam sind. „Allein darin, wohin sie einen führen, zeigt sich schon, was den Kindern wichtig ist“, erläuterte Bastian Walther. Die Kamera kann von den Kindern selbst oder von den Fachkräften geführt werden und ermöglicht es den Kindern, zentrale Aspekte mit ihrem ganzen Körper einzufangen, was ihnen oft leichter fällt als eine rein sprachliche Erklärung.

Ideen der Teilnehmenden des Online-Impulses am 21. Mai

Nach dem Impulsvortrag von Bastian Walther sowie einem Praxisinput durch zwei Fachkräfte des Montessori Kinderhauses Zeitz tauschten sich die Teilnehmenden des Online-Impulses in Kleingruppen über eigene Erfahrungen undUmsetzungsmöglichkeiten aus. So entstanden vielfältige Ideen, wann und wie der Kinderperspektivenansatz in ihren Einrichtungen konkret angewandt werden kann.

  • räumliche Gestaltung
    • Schulhofgestaltung: gemeinsame Begutachtung von Katalogen, Fotodokumentation des aktuellen Zustands, Befragung der Kinder
    • Verbesserungsspaziergang: Kinder dokumentieren mit der Kamera, wie sie Räume verändern möchten
  • regelmäßiges Feedback
    • jährliche Befragung mit Fragen wie Was findest du in der Kita, im Hort oder in der Schule besonders schön? Was läuft gut, was noch nicht? Was müsste verändert werden? Was brauchst du zum Lernen?
    • Eltern als Unterstützung: Eltern füllen gemeinsam mit ihren Kindern Fragebögen aus

  • kreative Methoden
    • Kinder gestalten ein neues Schullogo
    • Kinder malen ihren idealen Lernort
    • Worldcafé: Diskussion von Ideen, Regeln oder Veränderungen
  • Kinder als Multiplikator:innen
    • Kinder führen neue Kinder durch die Einrichtung
    • mit Kindern über die Zukunft philosophieren (bei Sprachbarrieren: Eltern einbeziehen, z. B. durch gemeinsames Malen)
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