Selbstregulation als Zukunftskompetenz

Warum Selbstregulation nicht ohne den Körper funktioniert

27.05.2026

Heilbronn

Vanessa Dietz

Vierter Online-Impuls mit Expertin Ineke Eilers im Reallabor-Heilbronn: eine gemeinsame Wortwolke der Zukunftseinrichtungen.

Im vierten Online-Impuls des Reallabors Heilbronn setzten sich die teilnehmenden Kitas und Grundschulen gemeinsam mit der Selbstregulations-Expertin Ineke Eilers mit sozial-emotionaler Selbstregulation auseinander. Im Mittelpunkt standen Stressreaktionen, Co-Regulation sowie körperorientierte Ansätze für den pädagogischen Alltag.

Warum Selbstregulation nicht ohne den Körper funktioniert

Ein Kind wirft wütend den Stift auf den Boden. Ein anderes zieht sich zurück, weil ihm alles zu viel wird. Wieder ein anderes kann kaum stillsitzen, obwohl es sich eigentlich konzentrieren möchte.

Oft schauen wir in solchen Momenten zuerst auf das Verhalten. Doch was passiert eigentlich im Körper der Kinder? Genau dieser Frage widmete sich der vierte Online-Impuls im Reallabor Heilbronn der Initiative Zukunftsbildung. Gemeinsam mit der Selbstregulations-Expertin und Erziehungs- und Gesundheitswissenschaftlerin Ineke Eilers setzten sich die teilnehmenden Kitas und Grundschulen mit sozial-emotionaler Selbstregulation auseinander – und damit, warum sie ohne den Körper nicht verstanden werden kann.

Selbstregulation: Eine Fähigkeit fürs ganze Leben

Selbstregulation beschreibt die Fähigkeit, mit Gedanken, Gefühlen, Stress und Verhalten so umzugehen, dass Menschen handlungsfähig bleiben – auch in herausfordernden Situationen. Sie entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit, begleitet Menschen jedoch ein Leben lang.

Im Online-Impuls wurde deutlich: Selbstregulation ist weit mehr als „sich zusammenzureißen“. Sie bildet eine Grundlage dafür, Beziehungen zu gestalten, Konflikte auszuhalten, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und aktiv an Gesellschaft teilzuhaben. Gerade in einer Welt, die von Veränderungen, Unsicherheiten und ständig neuen Anforderungen geprägt ist, gewinnt diese Fähigkeit zunehmend an Bedeutung.

Die Initiative Zukunftsbildung versteht Selbstregulation deshalb als eine zentrale Zukunftskompetenz für Kinder und Jugendliche.

Der Körper reguliert mit

Ein zentraler Gedanke des Impulses: Es gibt keine Erfahrung ohne körperliches Erleben. Gefühle, Stress und Selbstregulation zeigen sich nicht nur „im Kopf“, sondern immer auch im Körper.

Kinder brauchen deshalb nicht nur sprachliche Unterstützung, sondern auch Möglichkeiten, ihren Körper wahrzunehmen und Stress abzubauen. Bewegung, Gleichgewicht, Berührung oder gezielte Ruhephasen können dabei helfen, wieder in einen Zustand zu kommen, in dem Lernen, Denken und soziale Interaktion überhaupt möglich werden.

Ineke Eilers zeigte anschaulich, wie eng exekutive Funktionen, Stressreaktionen und sogenannte Co-Regulation zusammenhängen. Co-Regulation beschreibt den Prozess, bei dem Erwachsene Kinder dabei unterstützen, mit starken Gefühlen, Anspannung oder Überforderung umzugehen. Gerade die Qualität der Beziehungen und Interaktionen in Kita und Schule spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Was Kinder wirklich brauchen

Im Mittelpunkt des Online-Impulses standen deshalb viele praxisnahe Fragen: Wie können Kitas und Grundschulen Kinder in ihrer Selbstregulation unterstützen? Welche Rolle spielen Bewegung, Umgebung und Beziehungen im Alltag? Und wie lassen sich Lern- und Bildungsräume gestalten, die Kinder stärken statt zusätzlich stressen?

Für den Kita-Alltag wurden unter anderem frei zugängliche Bewegungsräume und Außengelände, freiwillige Morgenkreise oder anregende Materialien zur Körperwahrnehmung thematisiert. Im Schulbereich ging es beispielsweise um bewegtes Lernen, dynamisches Sitzen, Bewegungspausen und Schulhöfe mit Aktivitäts- und Ruhezonen.

Dabei wurde deutlich: Bewegung ist kein „Extra“, sondern eine wichtige Grundlage für Lernen und Entwicklung. Studien zeigen, dass körperliche Aktivität Konzentration, Lernfähigkeit sowie das soziale Verhalten von Kindern positiv beeinflussen kann (vgl. Kubisch 2016c, S. 142, und vgl. Diamond 2016, S. 146). 

Wissenschaft trifft Praxis

Wie schon in den vorherigen Formaten des Reallabors Heilbronn verband auch dieser Online-Impuls wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Anregungen für den pädagogischen Alltag. Die teilnehmenden Einrichtungen erhielten praxisnahe Methoden und Inspiration für sogenannte „Regulationshelfer“, wie zum Beispiel Sorgenfresser, Beruhigungen und Beschäftigungen für die Hand oder Kopfhörer, die Kinder – aber auch Erwachsene - dabei unterstützen können, besser mit Stress, Anspannung und Herausforderungen umzugehen.

Der gemeinsame Austausch zeigte erneut, wie wichtig es ist, Selbstregulation ganzheitlich zu betrachten – nicht nur als individuelle Fähigkeit, sondern auch als Aufgabe von Beziehungen, Lernumgebungen und Bildungsprozessen. Dabei lohnt sich auch immer ein Blick auf die eigene Biographie (Welche Trigger-Punkte habe ich? Wie kann ich mich selbst regulieren?).

Mit dem Fokus auf sozial-emotionale Selbstregulation knüpfte der vierte Online-Impuls direkt an die vorherigen Formate zu kognitiver Selbstregulation und exekutiven Funktionen an. Schritt für Schritt entsteht so im Reallabor Heilbronn ein gemeinsames Verständnis davon, wie Zukunftskompetenzen in Kita und Grundschule nachhaltig gestärkt werden können.

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