Nicht allein tüfteln
Wie aus Erfahrung gemeinsame Praxis wird
20.10.2026
Heilbronn

31 Zukunftseinrichtungen, vier Themenräume und viele Erfahrungen aus der Praxis: Bei der ersten Innovationswerkstatt im zweiten Reallabor-Jahr ging es darum, Ansätze zur Selbstregulation gemeinsam weiterzudenken.
Ein Kind kommt morgens in die Kita und ist schon beim Ankommen völlig aufgewühlt. Was hilft ihm, wieder ins Spiel zu finden? Mehr Bewegung? Ein ruhiger Rückzugsort? Ein Gespräch über das, was gerade los ist? Eine Fachkraft probiert etwas aus – und merkt vielleicht schnell: Was bei einem Kind funktioniert, hilft dem nächsten nicht unbedingt weiter.
Solche Situationen lassen sich nicht einfach nach Anleitung lösen. Es braucht Ideen, Ausprobieren und den Blick auf die Erfahrungen anderer. Genau darum ging es bei der ersten Innovationswerkstatt des zweiten gemeinsamen Jahres im Reallabor Heilbronn.
Die 31 Zukunftseinrichtungen brachten ihre Erfahrungen aus dem Alltag mit: Was haben sie bereits ausprobiert? Was hat sich bewährt? Wo hakt es noch? Und welche Erkenntnisse können auch für andere hilfreich sein? Im Mittelpunkt standen diesmal nicht nur neue theoretische Impulse, sondern die eigene Praxis.
Was funktioniert bei anderen?
Die 31 Kitas und Grundschulen brachten ganz unterschiedliche Erfahrungen mit. In den vier thematischen Räumen konnten sie diese gezielt miteinander teilen und weiterdenken:
Gefühle wahrnehmen und Kinder in herausfordernden Situationen besser verstehen und begleiten: Wie können Fachkräfte Kinder dabei unterstützen, ihre Gefühle wahrzunehmen und mit sozial-emotionalen Ausnahmesituationen umzugehen?
Bewegung und Achtsamkeit: Welche Rolle spielen Bewegung, Körperwahrnehmung und Achtsamkeit für die Selbstregulation von Kindern?
Lernstrategien und Lernlandkarten: Wie können Kinder ihre eigenen Lernprozesse besser verstehen und zunehmend selbst steuern?
Churer-Modell und selbstreguliertes Lernen: Wie lässt sich selbstreguliertes Lernen im Unterricht fördern und als Teil des Lernalltags verankern?
Für den Austausch schauten die Teams nicht nur auf ihre Ideen, sondern auf das, was daraus in der Praxis entstanden ist: Was haben wir ausprobiert? Was hat sich bewährt? Wo sind wir an Grenzen gestoßen? Gemeinsam suchten sie nach Stellschrauben, die im eigenen Alltag einen Unterschied machen können.
Denn eine Idee sieht auf dem Papier oft anders aus als im echten Alltag. Erst beim Ausprobieren zeigt sich, was trägt, wo etwas angepasst werden muss und welche Bedingungen dabei eine Rolle spielen.
Eine gute Erfahrung bleibt nicht allein
Die Austauschkarten gaben den Teams eine konkrete Gesprächsgrundlage. Darauf hielten sie ihre Erfolgsgeschichten fest: Was hat bei uns funktioniert? Was würden wir wieder so machen? Und was könnte für andere interessant sein?
So kamen konkrete Beispiele aus Kita und Grundschule zusammen – von Ideen, die sich bewährt haben, bis zu Erfahrungen, aus denen andere Teams neue Ansätze für ihre eigene Praxis entwickeln konnten.
Nicht jede Einrichtung muss bei null anfangen. Genau das macht den Austausch im Reallabor so wertvoll.
Ausprobieren gehört dazu
Die erste Innovationswerkstatt im zweiten Reallabor-Jahr knüpfte damit an die designbasierte Organisationsentwicklung im Reallabor Heilbronn an. Die Einrichtungen entwickeln ihre Maßnahmen nicht einmal am Reißbrett und setzen sie dann unverändert um. Sie erproben sie im Alltag, beobachten, was passiert, und passen ihre Ansätze an.
Entwickeln, ausprobieren, reflektieren, weiterentwickeln: Dieser Zyklus hilft den Teams, aus einer ersten Idee einen Ansatz zu entwickeln, der zu ihrer Einrichtung und ihren konkreten Bedingungen passt.
Auch die Communities of Practice (CoPs) schaffen dafür Raum. In den einrichtungsübergreifenden Lerngemeinschaften treffen sich die Teilnehmenden regelmäßig, um Fragen aus ihrer Arbeit zu diskutieren, Erfahrungen einzuordnen und gemeinsam an ihren Themen weiterzuarbeiten.
Die Innovationswerkstatt setzte dabei einen gemeinsamen Akzent: Die Teams konnten ihre bisherigen Schritte überprüfen, neue Perspektiven kennenlernen und Impulse für die nächste Runde in ihrer Einrichtung mitnehmen.
Gemeinsam weiterdenken
Im zweiten gemeinsamen Jahr geht die Arbeit damit in die nächste Runde. Die Zukunftseinrichtungen haben erste Ansätze entwickelt und erprobt. Jetzt geht es darum, genauer hinzuschauen: Was hat sich verändert? Was braucht noch Anpassung? Welche Fragen tauchen erst durch die praktische Arbeit auf?
Genau solche Fragen halten Entwicklungsprozesse in Bewegung. Denn Zukunftsbildung entsteht nicht durch die eine fertige Methode, die für alle passt. Sie entsteht dort, wo Menschen Ideen ausprobieren, ihre Wirkung beobachten und daraus die nächsten Schritte ableiten.
Ausprobieren. Erfahrungen teilen. Weiterdenken. So wird aus einzelnen Erfahrungen gemeinsame Praxis.

-2.webp)

