Michaels Wort zum Sonntag
Müssen pädagogische Fachkräfte neutral sein?
05.07.2026
Heilbronn – Zentrale

Was bedeutet der Beutelsbacher Konsens für den Bildungsalltag? Michael Fritz ordnet ein, welche Rolle pädagogische Fachkräfte in einer demokratischen Gesellschaft haben und warum Haltung und Demokratiebildung zusammengehören.
Immer wieder höre ich die Forderung, Pädagog:innen müssten politisch neutral sein. Häufig wird dabei auf den Beutelsbacher Konsens verwiesen. Doch was bedeutet das eigentlich?
Als ich 1987 als Lehrer im öffentlichen Dienst verbeamtet wurde, habe ich einen Eid auf die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland abgelegt:
"Ich schwöre, das Grundgesetz und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren."
Dieser Auftrag wird nicht durch den Beutelsbacher Konsens aufgehoben.
Das Grundgesetz bildet die Grundlage unseres Zusammenlebens. Es garantiert die Würde jedes Menschen, die Gleichheit vor dem Gesetz, die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und viele weitere Rechte, die unsere Demokratie ausmachen. Diese Werte sind nicht verhandelbar.
Der Beutelsbacher Konsens fordert deshalb auch nicht, dass Pädagog:innen gegenüber allen politischen Positionen neutral sein müssen. Er fordert, Kinder und Jugendliche nicht zu überwältigen, kontroverse Themen als kontrovers darzustellen und sie zu befähigen, eigene Urteile zu entwickeln.
Wer daraus ableitet, dass demokratiefeindliche, menschenverachtende oder verfassungswidrige Positionen im Bildungsbereich unwidersprochen stehen bleiben müssten, missversteht den Konsens.
Wenn die Würde von Menschen infrage gestellt wird, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, ihres Geschlechts oder anderer Merkmale ausgegrenzt werden, dann geht das gegen die Grundwerte unserer Verfassung.
Bildungseinrichtungen haben den Auftrag, junge Menschen auf ein Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Dazu gehört, unterschiedliche Meinungen kennenzulernen, Argumente abzuwägen und eigene Positionen zu entwickeln. Dazu gehört aber auch zu verstehen, dass die Freiheit des Einzelnen dort ihre Grenzen findet, wo die Würde und die Rechte anderer verletzt werden.
Für mich ist deshalb klar: Pädagog:innen dürfen und müssen für die Werte unseres Grundgesetzes einstehen.
Denn eine Demokratie lebt davon, dass jede Generation sie versteht, akzeptiert und weiterträgt. Dazu im Unterricht meinen Teil beizutragen, habe ich als Lehrer per Eid versprochen.

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