Michaels Wort zum Sonntag

Strukturierte Offenheit in Kita, Hort und Grundschule

06.05.2026

Heilbronn – Zentrale

Selin Kocaoglu

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Offenheit ist kein Selbstzweck. Michael Fritz erklärt, warum Kinder Freiräume brauchen, diese aber nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn sie von klaren Strukturen und einer verlässlichen pädagogischen Begleitung getragen werden.

Unsere Welt wird immer vielfältiger und dynamischer. Und das spiegelt sich in vielen Bereichen unseres Lebens wider, beispielsweise in der Arbeitswelt. Dort stellt sich zunehmend die Frage, wie mit dieser Vielfalt umgegangen werden kann. Eine mögliche Antwort darauf ist die „strukturierte Offenheit“. Und auch die Bildung ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen.

Was heißt „strukturierte Offenheit“ für die Bildung in Kita, Hort und Grundschule? Sie muss die Entwicklung fachlicher Kompetenzen mit der Förderung personaler Kompetenzen verknüpfen. Am wenigsten geeignet sind wohl standardisierte Bildungssituationen, die allen Kinder detailliert vorschreiben, was sie wann wie zu lernen haben, um am Ende in normierten Tests abzuprüfen, wie nah welches Kind der allgemeinen Norm gekommen ist. Viel erfolgreicher sind Bildungssituationen, in denen Kinder Einfluss darauf haben, welche Kompetenzen sie wann und mit welchem Ziel entwickeln wollen und ihnen Möglichkeiten geben, den eigenen Fortschritt zu überprüfen. Denn damit bauen sie parallel zur Fachkompetenz auch ihre Fähigkeit aus, das eigene Handeln zu steuern und im besten Fall häufig zu erleben: „Yes, I can!“

Auch ich habe als Grundschullehrer mit offenen Lernformaten gearbeitet und – angelehnt an die Montessori-Pädagogik – für meine Erst- und Zweitklässler Wochenpläne erstellt. Allerdings hatte ich schnell realisiert, dass auch bei den Wochenplänen ein „one sice for all“ scheitert. Denn jedes Kind stand in der eigenen Entwicklung z.B. der Lesekompetenz an einem anderen Punkt. Und jedes Kind konnte unterschiedlich gut mit der Freiheit und der Selbststeuerung umgehen, die eine erfolgreiche Arbeit mit Wochenplänen erfordert. Das führte mit der Zeit zu individuellen Plänen, die ich für jedes Kind vorbereitete.

Wie das aussah, kann ich an den Geschwistern Katharina und Benjamin schildern. Beide waren in meinem jahrgangsübergreifenden Anfangsunterricht. Katharina als Zweitklässlerin, Benjamin, ihr jüngerer Bruder als Erstklässler. Logischerweise waren z.B. ihre Lesekompetenzen unterschiedlich weit entwickelt, was für mich bedeutete, dass ich ihnen unterschiedliche Übungen zuwies. Sie waren aber auch in ihrer Fähigkeit, das eigene Handeln zu steuern, sehr unterschiedlich: Während ich Katharina schon nach wenigen Monaten am Wochenanfang einen leeren Plan geben konnte und sie bat, aufzuschreiben, was sie sich selbst für die Woche vorgenommen hatte, war ich sehr zufrieden mit meiner pädagogischen Leistung, als Benjamin am Ende seines zweiten Schuljahres fähig war, aus den von mir vorgegeben drei Aufgaben eigenständig auszuwählen, in welcher Reihenfolge er sie bearbeiten wollte – und sie dann auch selbstständig zu Ende führen konnte. Denn am Anfang war er mit der angebotenen Offenheit vollkommen überfordert. Es fiel ihm grundsätzlich schwer, sein Handeln zu steuern. Mit einem offenen Wochenplan hätte ich ihn maximal überfordert und sein Scheitern wäre – von mir – vorprogrammiert gewesen.

Der ganz normalen Heterogenität meiner Schüler:innen konnte ich nur gerecht werden, indem ich offene Lernsituationen gestaltete, die ihrem jeweiligen Entwicklungsstand gerecht wurden und diese so klar zu strukturieren, dass jedes Kind seine Fähigkeit, das eigene Handeln selbst zu regulieren, erfolgreich ausbauen konnte.

Ich denke, es ist deutlich geworden, warum ich der Überzeugung bin, dass offene Konzepte in der Bildung unerlässlich sind, diese Offenheit aber etwas anderes ist als „mach doch, was Du willst“. Im Gegenteil: damit offene Lernsituationen ihre Wirkung entfalten können, braucht es klare und verlässliche Strukturen. In einer solchen „strukturierten Offenheit“ entwickeln die Kinder Kompetenzen, die sie als mündige Erwachsene im 21. Jahrhundert benötigen werden: sich selbst und das eigene Handeln bewusst steuern und mit den eigenen Emotionen gut umgehen zu können, Verantwortung zu übernehmen und immer in der Zuversicht zu handeln: „Egal was kommt, ich werde und wir werden damit umgehen können.“

In der frühen Bildung schwören manche Pädagog:innen auf offene Kita-Konzepte – und andere halten sie für den größten Blödsinn. Dazu mehr im nächsten Newsletter.

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FAQ

Fragen zur Arbeit, den Themenfeldern, den Anforderungen an Einrichtungen und vieles mehr

Kinder im Fokus. Bildung im Wandel. Das ist der Leitsatz, der das Handeln der Initiative Zukunftsbildung prägt. Wir sind eine gemeinnützige Organisation deren Ziel es ist, dass alle Kinder in Deutschland Zugang zu guter Bildung in Kita, Hort und Grundschule haben. Diese stärkt sie, um eine Welt im Wandel aktiv zu gestalten.

Um das zu erreichen, denken wir die Bildung von morgen heute anders. Wir erproben neue Wege, erforschen innovative Konzepte und evaluieren ihre Wirkung. Dabei stehen die Kinder stets im Zentrum. Wir gestalten den Bildungswandel nicht allein. Wir holen uns starke Partner:innen an die Seite. Wir flechten Netzwerke, stoßen Dialoge an und verändern gemeinsam mit Praxis und Wissenschaft, Verwaltung und Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft das System.

Die Welt verändert sich ständig, zum Beispiel durch neue Technologien, den Klimawandel oder gesellschaftliche Veränderungen. Kinder müssen deshalb heute Fähigkeiten erlernen, die ihnen helfen, mit Veränderungen von morgen gut umzugehen.

Dazu gehören Zuversicht, sozial-emotionale Fähigkeiten, Selbstregulation, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaftsfähigkeit. Wichtige Bildungsbereiche sind außerdem Kritisches Denken, Kommunizieren, Ästhetische Bildung und gesund leben.

Diese Kompetenzen stärken Kinder in ihrer Entwicklung und befähigen sie, die Welt in Zukunft aktiv und verantwortlich mitzugestalten.

Ein Reallabor ist ein Netzwerk, in dem insgesamt 30 BIldungseinrichtungen gemeinsam mit Bildungsforschenden, Erzieher:innen und Lehrkräften neue Ideen für gute Bildung entwickeln. Diese werden direkt in ihrer Einrichtung erprobt und weiterentwickelt. Je nach Region gehören dazu Kitas, Horte und Grundschulen.

Im Reallabor arbeiten Praxis und Wissenschaft eng zusammen: Erfahrungen aus dem pädagogischen Alltag fließen in die Forschung ein. Gleichzeitig werden wissenschaftliche Erkenntnisse so aufbereitet, dass sie im Alltag genutzt werden können.

So können neue Ansätze für Bildung unter realen Bedingungen erprobt, reflektiert und gemeinsam verbessert werden.

Die Initiative Zukunftsbildung begleitet jede Zukunftseiinrichtung über drei Jahre dabei, eine gute und zukunftsorientierte Bildung umzusetzen.

Dafür bieten wir verschiedene Veranstaltungen sowie Materialien und Methoden an, die die Einrichtung entsprechend ihrer Bedürfnisse nutzen kann. Darüber hinaus unterstützen wir die Einrichtung direkt vor Ort, je nach Bedarf zum Beispiel durch Workshops, Hospitationen und Veranstaltungen für Eltern.

So schaffen wir Raum für Austausch, neue Ideen und gemeinsame Entwicklung.

Durch die Zusammenarbeit erhält die Einrichtung eine langfristige Begleitung bei ihrer pädagogischen Weiterentwicklung. Dabei erhält sie Zugang zu wissenschaftlich fundierten Methoden, fachlichem Austausch und Fortbildungen.

Alle teilnehmenden Einrichtungen investieren durch die Zusammenarbeit in die eigene pädagogische Qualität, die sich wiederrum positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt

Wenn Ihr Kind eine Reallaboreinrichtung besucht, bedeutet das, dass es in einer Umgebung lernt, die auf Freude am Lernen ausgerichtet ist. Gleichzeitig wird in der Reallaboreinrichtung eine Bildung umgesetzt, die Ihr Kind auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

Wir arbeiten dabei mit dem Team der Einrichtung zusammen und unterstützen dieses durch fachliche Begleitung, Materialien und neue Impulse für die pädagogische Arbeit. Mit den Kindern selbst arbeiten wir in der Regel nicht.

Sollte im Verlauf des Projekts eine Befragung oder Beobachtung von Kindern sinnvoll sein, erfolgt dies nur unter den dafür geltenden Voraussetzungen.

Die Anschubfinanzierung zur Gründung der Zentrale und des Reallaborstandorts Heilbronn  stellt die Dieter Schwarz Stiftung zur Verfügung.  

Für die Arbeit an den anderen Reallaborstandorten beantragt die Initiative Zukunftsbildung Bundesmittel. Das Reallabor Burgenlandkreis erhält rund 4,75 Millionen Euro im Rahmen des STARK-Förderprogramms für den Strukturwandel in deutschen Kohleregionen des Bundes.

Derzeit gibt es je ein Reallabor in Heilbronn (Baden-Württemberg) und im Burgenlandkreis (Sachen-Anhalt). Die Initiative Zukunftsbildung plant ihre Standorte bewusst an Orten, die den Wandel aktuell bereits besonders spüren.

Weitere Reallabore sind in Görlitz (Sachsen) sowie im Rheinischen Revier (NRW) geplant. Von den Standorten soll ein Veränderungsimpuls in das jeweilige Bundesland und in die ganze Bildungsrepublik ausgehen.

Der Burgenlandkreis befindet sich mitten im Strukturwandel. Der Ausstieg aus der Braunkohle verändert die Region und stellt viele Menschen vor neue Herausforderungen. Dazu trägt zusätzlich der demografische Wandel bei. Gleichzeitig bietet diese Veränderungen die Chance, Dinge neu zu denken und gemeinsam zu gestalten. Genau hier setzt unser Reallabor an.

Heilbronn steht wie kaum eine andere Region für tiefgreifenden Wandel – wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Die Transformation der Automobilindustrie und die stetige Erweiterung des Bildungscampus sind nur zwei Beispiele für die Veränderungen, die Menschen vor Ort erleben. Für uns ist Heilbronn deshalb kein Zufallsstandort, sondern bewusst gewählter Ausgangspunkt für zukunftsweisende Bildungsarbeit.

Sie können sich jederzeit mit Fragen und Anregungen an das Reallabor in Ihrer Region wenden. Kontaktdaten finden Sie hier:

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Ein Reallabor ist ein Netzwerk, in dem insgesamt 30 BIldungseinrichtungen gemeinsam mit Bildungsforschenden, Erzieher:innen und Lehrkräften neue Ideen für gute Bildung entwickeln. Diese werden direkt in ihrer Einrichtung erprobt und weiterentwickelt. Je nach Region gehören dazu Kitas, Horte und Grundschulen.

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Wir arbeiten dabei mit dem Team der Einrichtung zusammen und unterstützen dieses durch fachliche Begleitung, Materialien und neue Impulse für die pädagogische Arbeit. Mit den Kindern selbst arbeiten wir in der Regel nicht.

Sollte im Verlauf des Projekts eine Befragung oder Beobachtung von Kindern sinnvoll sein, erfolgt dies nur unter den dafür geltenden Voraussetzungen.

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Derzeit gibt es je ein Reallabor in Heilbronn (Baden-Württemberg) und im Burgenlandkreis (Sachen-Anhalt). Die Initiative Zukunftsbildung plant ihre Standorte bewusst an Orten, die den Wandel aktuell bereits besonders spüren.

Weitere Reallabore sind in Görlitz (Sachsen) sowie im Rheinischen Revier (NRW) geplant. Von den Standorten soll ein Veränderungsimpuls in das jeweilige Bundesland und in die ganze Bildungsrepublik ausgehen.

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Heilbronn steht wie kaum eine andere Region für tiefgreifenden Wandel – wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Die Transformation der Automobilindustrie und die stetige Erweiterung des Bildungscampus sind nur zwei Beispiele für die Veränderungen, die Menschen vor Ort erleben. Für uns ist Heilbronn deshalb kein Zufallsstandort, sondern bewusst gewählter Ausgangspunkt für zukunftsweisende Bildungsarbeit.

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